Insolvenzen

Die Verordnung (EU) 2019/2152 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. November 2019 über europäische Unternehmensstatistiken sowie die Unternehmensdemografiestatistik-Verordnung, BGBl. II Nr. 270/2009 idF. BGBl. II Nr. 138/2021 verpflichten Statistik Austria, ab dem 1. Quartal 2021 quartalsweise Daten über Insolvenzen zu erstellen. Die Ergebnisse werden etwa 40 Tage nach dem Ende des jeweiligen Berichtsquartals veröffentlicht.

Im ersten Quartal 2022 gab es laut vorläufigen Zahlen von Statistik Austria 1.050 Insolvenzen. Das sind 117,4% mehr als im Vergleichszeitraum des Jahres zuvor, in dem nur 483 Insolvenzen verzeichnet wurden. Für das Gesamtjahr 2021 liegen 3.017 Insolvenzen vor. Das sind 0,8% mehr als im Berichtsjahr 2020.

Dieser Anstieg spiegelt allerdings nicht die aktuelle wirtschaftliche Situation wieder - sondern hat zu einem wesentlichen Teil ihren Ursprung in der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht wegen der derzeitigen Corona-Pandemie. Die Insolvenzantragspflicht bei Überschuldung wurde für den Zeitraum März 2020 bis Juni 2021 ausgesetzt und ist nun wieder in Kraft.

Ergebnisse nach Quartalen, Jahren und Wirtschaftsbereichen

Die Ergebnisse für das erste Quartal 2022 zeigen, dass es in den Wirtschaftsbereichen Finanzdienstleistungen/sonstige Dienstleistungen (245), Handel (204), Bau (173), sowie Beherbergung und Gastronomie (133) die meisten Insolvenzen gab, wobei die Anzahl der Insolvenzen grundsätzlich von der Anzahl der in den einzelnen Wirtschaftsbereichen aktiven Unternehmen abhängig ist. Eine vergleichsweise geringe Anzahl an Insolvenzen weisen die Bereiche Information und Kommunikation (30), Sachgütererzeugung (58) und Verkehr (89) auf. Für das erste Quartal 2021 zeigt sich eine ähnliche Verteilung der Insolvenzen auf die Wirtschaftsbereiche.

Für das Berichtsjahr 2021 verteilen sich die Insolvenzen auf die Wirtschaftsbereiche auch ähnlich. Die Ergebnisse machen deutlich, dass Wirtschaftsbereiche mit den meisten Insolvenzen ebenfalls in den Bereichen "Bau" (657), „Finanzdienstleistungen/Sonstige Dienstleistungen" (647), „Handel" (475) und "Beherbergung und Gastronomie" (405) zu finden sind.

Die meisten Insolvenzen im Berichtsjahr 2020 entfielen auf die Wirtschaftsbereiche „Finanzdienstleistungen/Sonstige Dienstleistungen" (664), "Bau" (560), „Handel" (495) und "Beherbergung und Gastronomie" (434).

Methodik

Die Daten zu den Insolvenzen basieren auf den gerichtlichen Insolvenzverfahren. Gezählt wird die Einleitung eines Insolvenzverfahrens einer rechtlichen Einheit gemäß Insolvenzordnung – IO, RGBl. Nr. 337/1914. Diese Insolvenzverfahren sind: Konkursverfahren, Konkurseröffnungsverfahren, Sanierungsverfahren mit und ohne Eigenverwaltung.

Die Erstellung der Statistik erfolgt mehrstufig.

  1. Hauptdatenquelle ist die Justiz-Ediktsdatei. Die dort erfassten Daten werden durch das Bundesministerium für Justiz Statistik Austria zur Verfügung gestellt,
  2. in das statistische Unternehmensregister (URS) und das Verwaltungsregister (URV) eingelagert und
  3. mit Merkmalen angereichert.
  4. Verfahrenswechsel werden nicht gezählt, d.h. es kommt zu keinen Doppelzählungen von rechtlichen Einheiten bei einem Verfahrenswechsel.
  5. Einheiten, die in einem Zeitraum von 12 Monaten mehrmals ein Insolvenzverfahren eröffnet haben, werden bereinigt und nur das erste Insolvenzverfahren gezählt.
  6. Nachtragsverteilungen werden ausgeschlossen.
  7. Die Statistik wird quartalsweise ab dem Berichtsjahr 2019 erstellt und nach aggregierten Wirtschaftsbereichen (ÖNACE 2008) ausgewertet.
  8. Für Einheiten, für die keine ÖNACE vorhanden ist, erfolgt eine Schätzung anhand einer ÖNACE-Verteilung basierend auf den Neuaufnahmen ins URS.

Hinweise: In Österreich gibt es vergleichbare Insolvenzzahlen u.a. vom Kreditschutzverband von 1870. Obwohl die verwendete Datenquelle ident ist, gibt es geringfügige Abweichungen zu den von Statistik Austria veröffentlichten Zahlen. Ursachen sind u.a. abweichende Erfassungsbereiche bzw. Zeitpunkte für die Auswertungen oder die Zuordnung der Einheiten zu den Wirtschaftsbereichen nach ÖNACE 2008.

Die Daten zu den Insolvenzen der jeweils letzten vier Berichtsquartale werden als vorläufig ausgewiesen und bei der Veröffentlichung eines neuen Quartals revidiert.