Pressemitteilung: 12.133-199/19

Erwerbsprognose 2019–2080: künftig deutlich mehr über 55-Jährige auf dem Arbeitsmarkt

Wien, 2019-11-22 – Das Arbeitskräfteangebot wird in Österreich aufgrund von Zuwanderung und steigender Erwerbsbeteiligung auch weiterhin steigen, wie die aktuelle Erwerbsprognose von Statistik Austria zeigt. Demzufolge wird die Zahl der Erwerbspersonen (Selbständige und mithelfende Familienangehörige, unselbständig Beschäftigte und Arbeitslose) bis 2050 um 4% wachsen. Für den Jahresdurchschnitt 2018 wurden 4,58 Mio. Erwerbspersonen (inklusive erwerbstätiger Personen in Anstaltshaushalten) ermittelt, 2030 werden es laut Trendvariante der Prognose 4,71 Mio. (+3%) und 2050 schließlich 4,75 Mio. (+4%) sein. Danach sind keine nennenswerten Zuwächse mehr zu erwarten (2080: 4,77 Mio.; siehe Tabelle 1).

Stärker besetzte Jahrgänge und höhere Erwerbsbeteiligung im Alter von über 55 Jahren

Analog zur Gesamtbevölkerung altern laut Prognose auch die Erwerbspersonen. Diese Entwicklung wird durch zwei gegenläufige Trends verstärkt: Einerseits sinkt die Erwerbsbeteiligung in jüngeren Altersgruppen aufgrund zunehmender weiterführender Bildungsbeteiligung, andererseits sind steigende Erwerbsquoten in höherem Alter zu erwarten – als Folge der Veränderungen im Pensionsrecht, wie etwa der Angleichung des Pensionsantrittsalters der Frauen an das der Männer, und der Heranführung des faktischen an das gesetzliche Pensionsalter.

Im Detail soll die Zahl der 15-bis 34-jährigen Erwerbspersonen künftig sinken, und zwar von derzeit 1,59 Mio. (2018) auf 1,48 Mio. im Jahr 2030. Ab 2035 ist bei dieser Gruppe aufgrund geburtenstärkerer Jahrgänge wiederum ein leichter Anstieg zu erwarten. Im Haupterwerbsalter von 35 bis 54 Jahren bleibt die Zahl der Erwerbspersonen (2018: 2,25 Mio.) über den gesamten Prognosezeitraum hinweg relativ konstant zwischen 2,2 und 2,3 Mio. Ein deutlicher Anstieg wird hingegen in der Gruppe der über 55-jährigen Erwerbspersonen prognostiziert, hier nimmt die Zahl zwischen 2018 und 2030 von 0,74 Mio. auf 0,97 Mio. (+32%) und bis 2050 gar um rund die Hälfte auf 1,08 Mio. zu. Der Anteil der älteren Erwerbspersonen ab 55 Jahren steigt somit bis 2050 von 16% auf 23%, jener der unter 35-Jährigen sinkt gleichzeitig von 35% auf 32%. Der Anteil der Erwerbspersonen im Haupterwerbsalter geht in diesem Zeitraum von 49% auf 46% zurück.

Frauenanteil an den Erwerbspersonen nähert sich der Hälfte

Der Anteil der Frauen an den Erwerbspersonen lag 2018 bei 46%. Bis 2040 steigt er auf 49% und bleibt dann auf diesem Niveau konstant. Dafür ist die steigende Erwerbsbeteiligung der Frauen im Haupterwerbsalter sowie insbesondere im Alter von 55 bis 64 Jahren verantwortlich. Die allgemeine Erwerbsquote der 15- bis 64-jährigen Bevölkerung lag 2018 bei 76,2%. Die erwartbaren Veränderungen in der altersspezifischen Erwerbsbeteiligung lassen die allgemeine Erwerbsquote bis zum Jahr 2030 auf 79,7% und bis 2050 auf 82,0% steigen.

Starker Zuwachs an Erwerbspersonen in Wien, Rückgänge in Kärnten und der Steiermark

Bundesweit nimmt die Zahl der Erwerbspersonen bis 2050 um 4% zu. Der stärkste Zuwachs ist in diesem Zeitraum mit +14% in Wien zu erwarten. Nach 2020 werden mehr als 1 Mio. Erwerbspersonen in der Bundeshauptstadt wohnhaft sein. In Niederösterreich entspricht der künftige Anstieg der Erwerbspersonen mit +5% nur einem Drittel des Wiener Anstiegs. Die Zuwächse aller anderen Bundesländer liegen unter dem Bundestrend von +4%. In der Steiermark (-3%) und in Kärnten (-10%) sind bis 2050 Rückgänge an Arbeitskräften zu erwarten (siehe Tabelle 2).

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zur Prognose finden Sie auf unserer Webseite.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die Erwerbsprognose basiert auf einer Extrapolation von alters- und geschlechtsspezifischen Erwerbsquoten nach fünfjährigen Altersgruppen. Multipliziert mit der Hauptvariante der aktuellen Bevölkerungsprognose ergibt dies die vorausgeschätzten Zahlen der Erwerbspersonen. 
Die zugrundeliegenden Erwerbsquoten basieren auf dem Konzept der ILO (International Labour Organization) und beinhalten somit alle Personen, die zumindest eine Stunde in der Woche gegen Bezahlung oder als Selbständige bzw. mithelfende Familienangehörige arbeiten oder arbeitslos sind. Präsenz- und Zivildiener gelten ebenfalls als erwerbstätig. Die Erwerbsquoten sind auf Österreichebene aus den Jahresdurchschnittswerten der Erwerbspersonen gemäß Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung seit dem Jahr 2004 abgeleitet. Die Abgestimmte Erwerbsstatistik (AEST) wird zur Zuschätzung von Erwerbspersonen in Anstaltshaushalten herangezogen. Die Disaggregation nach Bundesländern basiert auf den regionalen Niveauunterschieden der Erwerbsquoten gemäß AEST.

Tabelle 1: Prognose der Erwerbspersonen Österreichs nach Alter und Geschlecht (Trendvariante)
JahrErwerbspersonen, absolutIn %Frauenanteil in %Erwerbsquote 15–64 Jahre
Insgesamt15–34 Jahre35–54 Jahre55 und mehr Jahre15–34 Jahre35–54 Jahre55 und mehr Jahre
20184.578.6171.063.2501.565.1151.950.25223,234,242,646,576,2
20204.618.4751.042.6621.591.0451.984.76822,634,443,046,876,6
20304.705.606970.5931.649.1472.085.86620,635,044,348,479,7
20404.746.297996.2321.561.6422.188.42321,032,946,148,881,8
20504.752.6491.000.8161.565.2092.186.62421,132,946,048,982,0
20604.714.535994.0861.584.6732.135.77621,133,645,348,982,0
20704.736.0101.007.2281.577.1142.151.66821,333,345,448,982,0
20804.770.4851.019.3951.582.7832.168.30721,433,245,548,881,9
Tabelle 2: Prognose der Erwerbspersonen Österreichs nach Bundesländern (Trendvariante)
Bundesland20182020203020402050206020702080
Burgenland146.117146.657148.249148.361148.229147.365148.439149.856
Kärnten279.315278.094267.719258.072250.095242.682240.546240.171
Niederösterreich865.991873.384890.599900.744907.623904.768912.638922.212
Oberösterreich780.848786.390794.018801.599801.823792.001795.084800.845
Salzburg293.408295.211295.838295.401293.438289.429289.434290.597
Steiermark637.495639.126634.802628.587620.657609.463608.914610.984
Tirol396.268399.943405.242407.361406.223400.883401.279403.016
Vorarlberg205.896207.922211.260211.671210.261207.469207.581208.468
Wien973.279991.7481.057.8791.094.5011.114.3001.120.4751.132.0951.144.336
Österreich, insg.4.578.6174.618.4754.705.6064.746.2974.752.6494.714.5354.736.0104.770.485

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