Pressemitteilung: 12.087-153/19

Statistisches Jahrbuch für Migration & Integration 2019: mehr als zwei Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich

Wien, 2019-09-04 – Im Durchschnitt des Jahres 2018 lebten rund 2,022 Millionen Personen (23,3% der Gesamtbevölkerung) mit Migrationshintergrund in Österreich, um rund 400.000 bzw. 25% mehr als fünf Jahre zuvor (2013: 1,622 Millionen). Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund stieg in diesen fünf Jahren von 19,4% auf 23,3% an. Dies geht aus dem statistischen Jahrbuch für Migration und Integration hervor, das von Statistik Austria zusammengestellt wurde.

Knapp 800.000 Personen mit Migrationshintergrund aus anderen EU-Staaten

794.800 Personen mit Migrationshintergrund hatten ihre Wurzeln in einem anderen EU- oder EFTA-Staat: Rund 267.400 Personen stammten aus EU-Staaten vor 2004 bzw. EFTA-Staaten, 289.300 aus den EU-Beitrittsstaaten des Jahres 2004 und weitere 238.100 aus den jüngsten drei EU-Staaten Bulgarien, Rumänien und Kroatien. In Summe entsprach dies einem Anteil von 39% aller Personen mit Migrationshintergrund. 1.227.400 Menschen (61%) hatten einen Migrationshintergrund aus Drittstaaten. Darunter stammten aus den Nachfolgestaaten Jugoslawiens (ohne die EU-Mitglieder Slowenien und Kroatien) 532.400 Personen (26% aller Personen mit Migrationshintergrund) und aus der Türkei 269.800 (13%). 106.800 Personen (5%) hatten einen afghanischen, syrischen oder irakischen Migrationshintergrund.

Etwas mehr als 1,492 Millionen Menschen gehören der sogenannten ersten Generation an, sind also selbst im Ausland geboren und nach Österreich zugezogen. Die verbleibenden knapp 530.000 Personen mit Migrationshintergrund sind in Österreich geborene Nachkommen von Eltern mit ausländischem Geburtsort und gehören somit zur zweiten Generation.

Eine Million Erwerbstätige mit Migrationshintergrund in Österreich

Im Jahr 2018 hatten 1.003.100 Erwerbstätige (23%) einen Migrationshintergrund, wobei 849.900 (20%) der ersten und 153.200 (3%) der zweiten Zuwanderergeneration angehörten. Mit 281.700 Erwerbstätigen stellten Zugewanderte aus den außerhalb der EU liegenden Nachfolgestaaten Ex-Jugoslawiens die größte Gruppe unter den Beschäftigten mit Migrationshintergrund dar.

Die nächstkleineren Gruppen bildeten 149.200 Personen aus den EU-Beitrittsstaaten 2004 sowie 147.000 Personen aus den EU-Staaten vor 2004 bzw. aus EFTA-Staaten. Annähernd gleich groß waren 2018 die Zahl der Beschäftigten aus den EU-Beitrittsstaaten ab 2007 (126.300) sowie jene mit türkischem Migrationshintergrund (127.200). 2018 gab es zudem etwa 26.300 Erwerbstätige aus Afghanistan, Syrien und dem Irak.

Geringere Erwerbstätigkeit der Bevölkerung mit Migrationshintergrund

Personen mit Migrationshintergrund stehen in etwas geringerem Maße als Österreicherinnen und Österreicher im Erwerbsleben. So lag die Erwerbstätigenquote von 15- bis 64-jährigen Personen mit Migrationshintergrund im Jahr 2018 bei 66%, jene der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund dagegen bei 75%. Personen aus EU- bzw. EFTA-Staaten wiesen mit 73% ähnliche Erwerbstätigenquoten auf wie die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Bei Personen aus Drittstaaten war das Ausmaß der Erwerbstätigkeit dagegen deutlich niedriger (62%) und schwankte innerhalb dieser Gruppe stark: Lag im Jahr 2018 die Erwerbsbeteiligung von Personen mit Migrationshintergrund aus Ex-Jugoslawien (ohne Slowenien und Kroatien) bei 70%, betrug sie bei Personen aus Afghanistan, Syrien und dem Irak nur 36%.

Im Vergleich zu 2017 war bei Personen mit Migrationshintergrund aus Drittstaaten eine Zunahme der Erwerbstätigenquote von 59% auf 62% festzustellen. Dieser Anstieg zeigte sich bei allen Teilgruppen, am stärksten bei Personen aus Afghanistan, Syrien und dem Irak (+9 Prozentpunkte).

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen finden Sie im statistischen Jahrbuch für Migration & Integration 2019.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Das statistische Jahrbuch für Migration & Integration erscheint in der vorliegenden Form zum zehnten Mal. Neben aktuellen Daten und Fakten rund um die Themen Migration und Integration sind darin auch 25 im Nationalen Aktionsplan für Integration definierte Indikatoren zur Beurteilung von Integrationsprozessen enthalten – von demographischen Aspekten über die sozioökonomische Situation bis zum Thema Sicherheit. Durch das Einbeziehen unterschiedlicher Quellen sowie durch Anreicherung von vorhandenen Daten konnten quer über alle Statistikbereiche aussagekräftige Informationen zusammengetragen werden.  
Die Zahlen zum Migrationshintergrund sowie zu den Erwerbstätigen wurden aus einer Stichprobenerhebung (Mikrozensus) hochgerechnet. Sie unterliegen daher einer statistischen Schwankungsbreite. Aus diesem Grund werden nur gerundete Ergebnisse dargestellt. 
Migrationshintergrund haben jene Personen, deren Eltern beide im Ausland geboren wurden. Personen mit nur einem in Österreich geborenen Elternteil haben dieser Definition folgend keinen Migrationshintergrund. Für die Zuordnung des Herkunftslandes ist das Geburtsland der Mutter ausschlaggebend. 
Die Erwerbstätigenquote stellt den Anteil der erwerbstätigen Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren in Prozent der Bevölkerung gleichen Alters dar. Als erwerbstätig gilt nach ILO-Definition, wer zum Zeitpunkt der Befragung mindestens eine Stunde pro Woche gearbeitet hat bzw. nur aufgrund von Urlaub, Krankheit etc. nicht gearbeitet hat. Personen in Elternkarenz sowie Lehrlinge gelten ebenfalls als erwerbstätig, nicht aber Präsenz- und Zivildiener. 
Drittstaaten: Alle Staaten außer EU-Staaten, mit der EU assoziierte Kleinstaaten oder EFTA-Staaten.

 

 Bevölkerung, Erwerbstätige und Erwerbstätigenquote 2018 nach Migrationshintergrund
Geburtsland der MutterBevölkerung (in 1.000)Erwerbstätige 
(in 1.000)
Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-Jährigen (in %)
ZusammenErste 
Generation
Zweite 
Generation
Mit Migrationshintergrund insgesamt2.022,21.492,5529,71.003,166,4
EU-/EFTA-Staaten794,8635,4159,4422,573,0
   EU-Staaten vor 2004/EFTA267,4225,442,0147,076,8
   EU-Beitrittsstaaten 2004289,3226,063,3149,272,9
   EU-Beitrittsstaaten ab 2007238,1184,054,1126,369,1
Drittstaaten insgesamt1.227,4857,1370,3580,662,4
   Ehem. Jugoslawien (außerhalb der EU)532,4371,0161,4281,769,6
   Türkei269,8155,4114,4127,260,2
   Afghanistan, Syrien, Irak106,890,516,326,335,7
   Sonstige Drittstaaten318,4240,278,2145,460,2

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Dr. Stephan MARIK-LEBECK, Tel.: +43 (1) 71128-7204 bzw. stephan.marik-lebeck@statistik.gv.at

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